Baden und die Kriegsfolgen im 17. Jahrhundert

Der deutsche Südwesten hatte im 17. Jahrhundert schwer unter kriegerischen Auseinandersetzungen und deren Folgen zu leiden.

Der längste Krieg der deutschen Geschichte, der Dreißigjährige Krieg, war im Jahr 1618 ausgebrochen, weil sich katholische und protestantische Fürsten feindselig gegenüber standen.

Die Katholiken bildeten die sogenannte Liga, der unter anderem der deutsche Kaiser aus dem österreichischen Haus Habsburg und die Bayern angehörten. Die Protestanten waren in der sogenannten Union, zu deren Mitgliedern Württemberg und die Kurpfalz zählten, vereint.

Die Markgrafschaft Baden wies seit 1535 die Eigenart auf, in eine katholische und eine protestantische Region geteilt zu sein. Die Markgrafschaft Baden mit Residenz in der Stadt Baden war katholisch, die Markgrafschaft Baden-Durlach protestantisch. Seit 1594 war Baden-Baden von den Baden-Durlacher Markgrafen besetzt, die verhindern wollten, dass das Land wegen seines hohen Schuldenstandes an die Fugger verpfändet wurde.

Der Dreißigjährige Krieg begann weitab von Baden in Prag, wo die Unterdrückung der Glaubensfreiheit der protestantischen Böhmen im Prager Fenstersturz ihr Ventil gefunden hatte.

Prager Fenstersturz

Zwei Beamte des katholischen Kaisers waren kurzerhand aus dem Fenster geworfen, der böhmische König aus Habsburger Haus entmachtet und der protestantische pfälzische Kurfürst Friedrich V. zum neuen König von Böhmen gekrönt worden.

Daraufhin zog die katholische Liga mit ihrem erfolgreichen Feldherrn Tilly gegen die Unionsstaaten in den Krieg. Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach, der sich Tilly und seinem Heer bei deren Marsch durch den Kraichgau in Richtung Heidelberg in den Weg stellte, war glücklos geblieben.

Markgraf Wilhelm aus der katholischen Linie der badischen Markgrafen war infolgedessen 1622 in Baden-Baden an die Macht gekommen. Dem Leid und Elend aus dem herrschenden Krieg fügte dieser noch die Torturen der Hexenverfolgung hinzu.

Im Juni 1630 weitete sich der innerdeutsche zu einem europäischen Krieg aus, als die Schweden den deutschen Protestanten zu Hilfe kamen und siegreich durch das ganze deutsche Reich bis zum Bodensee zogen. Neben weiteren Verwüstungen und Unterdrückungen hatte dieses Ereignis zur Folge, dass der badische Teil der Markgrafschaft Baden im Jahr 1632 wieder vom Baden-Durchlacher Markgrafen und zusätzlich von den Schweden besetzt wurde.

Zwei Jahre später gewannen die katholischen kaiserlichen Truppen erneut die Oberhand. Im Gefecht auf dem Ooser Blutfeld vertrieb Markgraf Wilhelm von Baden-Baden den Durlacher Vetter und die Schweden und übernahm abermals die Regentschaft.

Im Folgejahr mischten sich die Franzosen in das Geschehen ein und unterstützten aus machtpolitischen Gründen die Protestanten, obwohl sie selbst katholischer Konfession waren. Markgraf Wilhelm begab sich in den Schutz des französischen Königs Ludwig XIII. und überließ ihm als Gegenleistung den befestigten Ort Stollhofen auf deutscher Seite in der Nähe des Rheins.

Zur Ruhe kam das badische Gebiet jedoch nicht. Weimarer, schwedische und französische Soldaten zogen plündernd und zerstörend durchs Land. Keiner Kriegspartei war allerdings ein dauerhafter Erfolg beschieden. Im Westfälischen Frieden 1648 wurde den langen elenden Kriegsjahren ein Ende gesetzt und der Augsburger Religionsfrieden aus dem Jahre 1555 bestätigt.

Für die Markgrafschaft Baden-Durlach bedeutete dies die Beibehaltung des protestantischen Glaubens, während in der Markgrafschaft Baden-Baden der Katholizismus Landesreligion war.

Die beiden Teile der Markgrafschaft hätten sich der Erholung und dem Wiederaufbau widmen können, wenn es nicht immer wieder zu Feindseligkeiten zwischen Franzosen und Deutschen im Grenzgebiet gekommen wäre.

Der französische König Ludwig XIV., der zum Zeitpunkt des Westfälischen Friedens gerade einmal zehn Jahre alt, aber seit fünf Jahren König gewesen war, verleibte seinem Land etliche fremde Gebiete ein. Im Frieden von Nimwegen sollte 1678 diesem Treiben ein Ende gesetzt werden. Der absolutistische Herrscher mit dem Wahlspruch: "L'état c'est moi" missachtete jedoch die getroffenen Vereinbarungen und pflegte sein Eroberungsgebaren weiter. 1683 verbündeten sich deshalb etliche deutsche Staaten, sowie Schweden und Spanien gegen den Sonnenkönig, konnten diesen allerdings wegen eines zu bekämpfenden Aufstandes in Ungarn und der abzuwehrenden Bedrohung durch die Türken im Osten des deutschen Reiches nicht in seine Schranken weisen. Ein ausgehandelter zwanzigjähriger Waffenstillstand wurde von den Franzosen nicht eingehalten, sondern es wurde ein weiterer blutiger Krieg, der pfälzische Erbfolgekrieg, begonnen. An dessen Ende im Jahr 1697 nach dem Friedensschluss von Rijswijk stand die komplette Verwüstung der Pfalz und der südlich davon gelegenen Rheingebiete. Zusätzlich waren von den betroffenen Ländern Kriegssteuern, Schutzgelder und Verpflegungsaufwendungen zu erbringen gewesen, die sie allesamt ruiniert haben.

Die Markgrafschaft Baden-Durlach litt ebenso darunter wie Baden-Baden. Verwüstete Städte und Dörfer, ausgeplünderte, misshandelte oder gar ermordete Menschen waren das wiederholte Ergebnis aller Kriegstreiberei.

Im Schreckensjahr 1689 war neben vielen anderen Städten und Dörfern sowohl die Residenz der Durlacher Markgrafen als auch die der Badener in Schutt und Asche gelegt worden.

Im Jahr 1693 wurde Wilhelm Ludwig Markgraf von Baden-Baden Oberbefehlshaber der Rheintruppen und sicherte das deutsche Rheingebiet gegen die Franzosen.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts begann die zögerliche Wiederaufnahme eines einigermaßen gewohnten Lebens. Der Wiederaufbau war trotz größter Geldnot angesagt, was allmählich zur Belebung des Wirtschaftslebens führte und die schlimmste Not beendete.

Für die Residenzstädte Durlach und Baden hatte der Wiederaufbau eine existenzielle Konsequenz. Karl Wilhelm Markgraf von Baden-Durlach baute sein zerstörtes Schloss in Durlach, die sogenannte Karlsburg, nicht wieder auf, sondern ließ mitten im Hardtwald als neue Residenz ein hölzernes Gebäude, das er "Karls Ruhe" nannte, errichten.

Wilhelm Ludwig Markgraf von Baden-Baden ließ zwar Schloss Baden wieder herrichten, gleichzeitig aber in Rastatt ein Prunkschloss in barockem Stil bauen. Im Jahr 1706 verlegte er seine Residenz von Baden nach Rastatt.

Von Rika Wettstein, Baden-Baden


Lesen Sie auch:
Hexenverfolgung in Baden

Zurück

News | Facts | Inhalt | Geschichte | Stadtplan | Sehenswert | Kunst + Kultur | Theater | Festspielhaus | Casino
Events | Thermen | Sport | Hotels | Restaurants | Cafés + Bars | Shopping | Stadtteile | Umgebung | Elsass
Auskunft + Ämter | Bücher-Shop | Awards | Links | Kontakt | Impressum