340 Jahre Badische Staatskapelle

Was der Stadt Karlsruhe recht, ist ihrer Staatskapelle billig: Deren großes Jubiläum des 350-jährigen Bestehens steht zwar erst in zehn Jahren bevor, aber 340 Jahre markieren ja auch schon ein stolzes Alter. Daran sollte ein Festkonzert der Badischen Staatskapelle am Sonntag, 15. September 2002 im Großen Haus des Badischen Staatstheaters erinnern. Gleichzeitig wurde damit ein weiteres Geburtstagskind gefeiert: die 30 Jahre alte Gesellschaft der Freunde des Staatstheaters.

Wen es wundert, dass die Staatskapelle älter als ihre Heimatstadt selbst sein soll, wird von den Akten überzeugt: 1662 wurden erstmals die Ahnen des heutigen Orchesters in einer Urkunde erwähnt. Der Markgraf pflegte seinen Kunstsinn schon in Durlach, die Anlässe musikalischer Lustbarkeit waren damals freilich bescheidenerer Natur: Die Musiker würzten die Mahlzeiten, die Jagd und harmlose Komödien mit leichten Tönen. Immerhin begleiteten sie auch Ballette und die erste Opernaufführung bei Hofe: Sie hieß "Scipio". Der Stadtgründer Carl Wilhelm nahm sein Orchester mit, das beim sogleich gegründeten Hoftheater viel zu tun gehabt haben dürfte.

Namen wie Casimir Schweizelsberger oder Johann Philipp Käfer wurden später durch berühmtere abgelöst, etwa den Hofkapellmeister Johann Melchior Molter, immerhin über 40 Jahre lang Orchesterchef in Karlsruhe. Die Barockoper blühte, und das Orchester war strengem Reglement unterworfen: "Soll ein jeder sich mit gnädigst geschöpfter Besoldung begnügen und Gnädigste Herrschafft nicht mit Bittschrifften überhäuffen, bey Vermeydung höchster Ungnada und Cassation". Nun, die Besoldungsbedingungen haben sich inzwischen tief greifend verändert.

Die Karlsruher Theatergeschichte dokumentiert in den folgenden Jahrzehnten einen stetigen Aufschwung der Hofkapelle vor allem als Opernorchester. Im 1810 eröffneten, von
Weinbrenner erbauten und später abgebrannten Hoftheater dirigierte nunmehr Franz Danzi ein 24-köpfiges Ensemble. Brandneue Opern wie "Fidelio", "Freischütz" oder "Euryanthe" kamen rasch auf die Karlsruher Bühne. Gaststars wie Paganini oder die "schwedische Nachtigall" Jenny Lind gaben den Programmen überregionalen Glanz.

In der Ara Devrient zierten Namen wie
Liszt und Wagner den Spielplan. Wenn der selbstbewusste Theaterprinzipal auch die Uraufführung des "Tristan" in Karlsruhe vereitelte, so kam die Stadt doch alsbald wegen ihrer eifrigen Wagner-Pflege in den Ruf eines Klein-Bayreuth. 1863 dirigierte Wagner gar höchstselbst die Hofkapelle. Unter Größen wie Hermann Levi, Felix Mottl und Otto Dessoff schrieb das Orchester ebenfalls Musikgeschichte.

Das 20. Jahrhundert wird zunächst von Namen wie Josef Krips und Joseph Keilberth geziert, zwei Generalmusikdirektoren, die nach ihrer Karlsruher Zeit international Karriere machten. Otto Mazerath, Alexander Krannhals und Arthur Grüber bestimmten den hohen Standard des Orchesters in der Nachkriegszeit, bevor namentlich Christof Prick, Günther Neuhold und zuletzt Kazushi Ono den unbestrittenen Rang der Badischen Staatskapelle in der Gegenwart festigten.

Angesichts dieses imposanten historischen Unterbaus ist der aktuelle Neubeginn des Orchesters umso spannender: Der neue Generalmusikdirektor heißt Anthony Bramall, und das Festkonzert war sein erstes als Chef der Staatskapelle. Auf dem Programm standen, dem Anlass gemäß, zwei Schlüsselwerke des Repertoires: Mozarts Jupiter-Symphonie und die erste Symphonie von Brahms, die 1876 mit der einstigen Hofkapelle in Karlsruhe uraufgeführt wurde.

Quelle: Ulrich Hartmann, BNN 11.9.2002

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